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Räuberhauptmann Karasek

Johannes Karasek stammte eigentlich aus Smichov, einem kleinen Örtchen bei Prag, wo er 1764 geboren wurde. Nach dem er die Berufe eines Tischlers und eines Fleischers erlernt hatte, versuchte er sich mehr oder weniger erfolglos in der Ausübung derselben. Später kam er zum österreichischen Militär. Ob er dazu „gepresst“ wurde oder ob er sogenannten Werbern auf den Leim ging, lässt sich heute nicht mehr richtig sagen. Jedenfalls desertierte er bald wieder, wurde mehrfach wieder eingefangen, ging aber auch genauso oft wieder stiften. Irgendwann fühlte er sich auf böhmischem Boden nicht mehr sicher und ließ sich in Steinigtwolmsdorf nieder, wo er sich als Hausierer versuchte. So kam er in Kontakt mit der damals schon existierenden Palmschen Bande, für die er erst einmal erbeutete Ware verhökerte.


Bald aber wurde er Mitglied der Bande, die ihn nach dem Tod des alten Palme sogar zum Hauptmann wählte. Die Bande verübte zahlreiche Überfälle auf wohlhabende Faktoren, Mühlenbesitzer oder reiche Bauern. (Bei armen Leuten war ja auch nichts zu holen). Verschonte die Bande anfangs die nähere Umgebung, so beraubten sie in der Nacht zum 1. August 1800 doch den Gutsbesitzer Glathe in Oberleutersdorf. Das brachte das Fass zum Überlaufen. Eilig herbeigerufene Dragoner nahmen einen Großteil der Bande und auch Karasek gefangen und brachten sie nach tagelangen Verhören nach Bautzen. Dort saßen sie bis zum Abschluss ihrer Gerichtsverhandlungen. Karasek und einige andere Bandenmitglieder wurden zum Tode verurteilt, später aber vom sächsischen Kurfürsten Friedrich August begnadigt. Als letzter erhielt Karasek sein endgültiges Urteil. Er wurde 1803 zum Antritt seiner lebenslänglichen Festungshaft nach Dresden gebracht, wo er am 14. September 1809 an den Folgen der Haft verstarb.

Der im Volksmund gelegentlich beschriebene Volksheld war Karasek sicher nicht. Er hatte jede Menge Helfer und Hehler, die er mitverdienen ließ und die er auch beschützte. Dieser Umstand und eine gewisse, auch verständliche Schadenfreude der Armen über die beraubten Wohlhabenden ließen die Sage vom „…Karasek der den Reichen nahm und den Armen gab…“ entstehen und bis heute lebendig bleiben. Für die, die sich näher mit der Sache beschäftigen, war er einfach ein Produkt seiner Zeit und der damals herrschenden Not.

Heute ist er in der Oberlausitz als Geschichtsfigur nicht mehr wegzudenken, wie auch Stülpner-Karl in der Zschopauer Gegend und Schinderhannes im Hunsrück. So kamen wir auf die Idee, in diesem Jahr das 1. Deutsche Räubertreffen durchzuführen und andere Reenactment-Vereine einzuladen, welche sich mit Räubern des 18. Jahrhunderts in ihren Regionen beschäftigen.
So möchten wir schon jetzt auf diese Veranstaltung vom 14.- 15.08.2004 hinweisen.

Weitere Räuber, die in anderen Gegenden Ihr Unwesen trieben
Stülpner Karl

Weitere Dokumente und Ausführungen zur Geschichte

Bautzen Karasek-Turm